Freitag, 1. Februar 2013

Wärmepumpe vs. Gasbrennwerttherme

Mal ein kleiner Exkurs zu einem - wie wir meinen - Nachteil von Wärmepumpen, der uns in dieser Form bisher neu war:

Wie viele Bauherren haben wir uns sehr intensiv mit der Heiztechnik beschäftigt und lange überlegt, ob wir uns für eine Wärmepumpe oder doch lieber für die herkömmliche Gasbrennwerttechnik entscheiden sollen. Bei uns ist es letztlich die Gasbrennwerttechnik geworden. Unsere Nachbarn, die ja mit derselben Baufirma bauen, haben sich dagegen für eine Wärmepumpe entschieden. Es handelt sich um eine Abluftwärmepumpe mit zusätzlichem Außenluftmodul.

Ein Nachteil vom dem zumindest wir bislang noch nirgendwo etwas gelesen haben, sind die extrem hohen Stromkosten in der Aufheizphase des Hauses. Die Fertigstellung unserer Bauten (unser Haus und das Haus unserer Nachbarn wurden zeitgleich gebaut) fällt in die Winterzeit. Aufgrund der geringen Luftfeuchtigkeit eigentlich ein idealer Zeitpunkt für die Trocknung des Hauses.

Wie wir jetzt wissen aber ganz und gar kein idealer Zeitpunkt für Wärmepumpen-Besitzer: Da weder das Außenluftmodul noch die Umluftvorrichtung während der Ausbauphase des Hauses und somit der Aufheizphase installiert werden, lief die Wärmepumpe in diesem Zeitraum komplett über die Heizstäbe. Die Aufheizung des Rohbaus erfolgte also zu Einhundert Prozent über Strom. In einem Zeitraum von rd. 6 Wochen sind bei unseren Nachbarn so Stromkosten von rd. 3.000 Euro aufgelaufen. Im gleichen Zeitraum sind es bei uns Strom- und Gaskosten zusammen von insgesamt rd. 600 Euro. Also erheblich weniger bei ungefähr gleichem Raumvolumen und ansonsten identischen Bedingungen (gleicher Bautrockner für denselben Zeitraum etc.).

Die eingesparten Kosten für den Gasanschluss von rd. 1.100 Euro (SH Netz AG), die u.a. immer als einer der Vorteile für eine Wärmepumpe genannt werden, wurden bei unseren Nachbarn also um ein Vielfaches durch die hohen Stromkosten in der Aufheizphase "aufgefressen". Es wird vermutlich einige Jahre dauern, bis man diese Mehrkosten wieder hereingeholt hat.

Ergänzung und Update nach eineinhalb Jahren Wohnen im neuen Haus:


Wir haben gerade mit unseren Nachbarn die Heizkosten verglichen. Dazu muss man wissen, dass unsere Nachbarn ungefähr dieselben Quadratmeter wie wir beheizen, im Gegensatz zu uns aber einen viel genutzten Kaminofen haben und mit diesem ebenfalls heizen und die durchschnittliche Raumtemperatur rd. zwei Grad unter unserer liegt.

Sehr zum Missfallen meines Mannes brauche ich Temperaturen zwischen 23 und 24 Grad um mich wohl zufühlen. Unsere Nachbarn heizen dagegen im deutlich vernünftigeren Bereich auf 21 bis 22 Grad. Laut allgemeiner Infos zum Thema Energiekosten soll ein Grad Raumtemperatur weniger ja ungefähr 6 Prozent Heizkosten sparen. Man würde also erwarten, dass die Heizkosten unserer Nachbarn alleine aus diesem Grund mindestens 10 Prozent unter unseren liegen. Dazu dann noch die Einsparung durch den Kaminofen - und natürlich die angeblich so energieeffiziente Wärmepumpe.

Alles "Pustekuchen": Wir haben fast identische Heizkosten. In den Übergangsmonaten mit moderaten Außentemperaturen ist die Wärmepumpe unserer Nachbarn tatsächlich effizienter (oder vielleicht ist es auch deren Kaminofen). In den kalten Monaten steigen die Heizkosten mit Wärmepumpe aber überproportional an. Im Jahresdurchschnitt haben wir fast identische Heizkosten von knapp 90 Euro im Monat.


1 Kommentar:

  1. Interessanter Vergleich. Wurden in den mtl. Kosten auch das Brennholz für den Kamin umgelegt?
    Pro Raummeter zahlt man im Schnitt ebenfalls 100 EUR. Wenn man viel heizt, dann sind das zwischen 5-8 RM im Jahr = 500-800 EUR.

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